Pfingstritt

                   Die Tradition des Wurmlinger Pfingstrittes

 

Aus diversen mündlichen Überlieferungen und speziell aus den schriftlichen Aufzeichnungen von Ernst Maier lässt sich der Wurmlinger Pfingstritt wenigstens bis ins Jahr 1858 nachvollziehen , ähnlich wie er auch heute noch stattfindet . Vermutlich existiert dieses Brauchtum jedoch schon länger . Im Gegensatz zu den meisten anderen in Deutschland stattfindenden Pfingsttraditionen ist der Wurmlinger Pfingstritt eine der ältesten lebendigen Dorftraditionen . Er fand immer alle zwei Jahre , mit Unterbrechung des ersten und des zweiten Weltkrieges , statt . Der Pfingstritt in Wurmlingen ist einer der wenigen Traditionen die kaum verändert wurde . Eine Überlieferung vom 28.Mai 1858 nach Dr.Anton Birlinger aus dem ""württembergischer Staatsanzeiger" beschreibt den Pfingstritt wie folgt :

 

"Im benachbarten Wurmlingern sah ich am letzten Pfingstmontag eine eigentümliche Festlichkeit: Das Pfingstdreckreiten . Eine Anzahl junger Burschen begab sich zu Pferd nach dem Mittagsgottesdienst in den oberen Wald . Allsda wurde der Pfingstdreck , in anderen Gemeinden Pfingstlümmel geheißen , erwählt . Einer der Burschen ward dick in Laubwerk eingebunden , oben auf dem Kopfe hatte er eine prächtige Krone von allerlei Blüten . Etwa nach einer halben Stunde erschien der erste Reiter und meldete die Ankunft der anderen . Der Zug ordnete sich und ging mit dem Pfingstdreck die Laiber herauf der Mindlache zu . Vor der Zehntscheuer stellten die Reiter eine Front her und das Sprechen begann . Ein jeder wusste einen gewissen Spruch , der ganz nach alten Zeiten roch . Unter den Handwerkern waren auch solche , die mit dem Türken stritten , es waren ergötzlich alt hergebrachte Volksreime . Nach jedem Spruch erscholl ein Trompetenstoß . Der letzte Sprecher war der Scharfrichter , dessen Vers mit dem köpfen des Pfingstdrecks schloss , der seine Krone baar , herabstürzte . Der Anführer las hierauf nach eigenen Heften alle möglichen Neckereien für die Mädchen ab : Alles was sich die Wurmlinger Jungfern zu Schulde kommen ließen das Jahr über , konnte man hören . So bald das Verlesen aus war ging es auf die Höhe , Jesingen zu gelegen . Dort wurde der Maien aufgesteckt und um die Wette geritten . Der Sieger wurde von allen Wurmlingern und Fremden erwartet . Der Preis war ein Lämmlein mit Nastüchern behangen .

 

Mit dieser Überlieferung von 1858 wurde zum ersten Mal die heute noch traditonelle Pfingstpredigt erwähnt . Weder in den Darstellungen 1852 noch von 1859 wird von einer Pfingtstpredigt gesprochen . Heute noch ist die Pfingstpredigt die Verulkung örtlicher Geschehnisse seit dem letzten Pfingstritt . Vorgetragen wird sie von einem der Jahrgänger . Die Darstellung der Pfingstreiter vor dem ersten Weltkrieg lässt sich aus vielen Berichten und Bildmaterial wie folgt zusammenfassen:

Ernst Meier berichtete : "Hierzu vereinigen sich etwa 20 erwachsene ledige Burschen und kleiden sich am Pfingstmontag in weiße feine Hemden und weiße Beinkleider mit neuen schönen Hosenträgern . Einen weitern Anzug erhält der Oberleib nicht . Der Kopf bleibt bei den meisten unbedeckt . Sodann legen sie eine rote Schärpe , an der ein Säbel hängt , um die Hüfte . Er beschreibt 1958 folgende Figuren : den Platzmeister , den Korporal , den Maienführer , den Mohrenkönig , den weißen Mann , den Koch , den Kellermeister , den Dotor Eisenbart , den Henker und Pfingstbutz .

Nach 1949 beschreibt sich die Zusammsetzung der Personen etwas verändert . Es wird berichtet von ca. 10-14 jungen Rekrutenjahrgängern gekleidet in weiße Hemden , schwarze Hosen , rote Samtschleife und einen hölzernen Säbel an der Seite , der zu späterer Zeit aber nicht mehr auftaucht . 1951 werden die Pfingstfiguren zum ersten mal in historischen , altertümlichen Gewändern dargestellt . Ab 1987 wurden die historischen Kostüme zur Tradition gemacht . So veränderlich wie die Darstellung der Figuren hat sich auch das Pfingstspiel gewandelt . Aus früheren Zeiten wird erzählt : Nach dem Mittagessen (Mittagsgottesdienst) wurden die Pferde gesattelt und Zaum und Mähne mit schmalen seidenen Bändern geschmückt . Die ganze Gesellschaft ritt unter Anführung zweier Trompeter in den oberen Wald . Dort wurden Eichzweige geschnitten und ein ausgweählter Bursche darin von Kopf  bis Fuß eingehüllt . Wichtig dabei war , das jedes Bein extra eingebunden wurde , so ,dass er wieder auf das Pferd sitzen konnte . Dieser Pfingstbutz erhielt einen langen , künstlichen Hals und einen maskierten Kopf . Danach wurde der Maien geschnitten , etwa 10 Fuß lang , geschmückt mit bunten Nastüchern und seidenen Bändern , und dem Maienführer übergeben . Die Gruppe kehrte mit Musik und Gesang ins Dorf zurück . Sie versammelte sich auf einem größeren freien Platz auf dem zuvor der Platzmeister mit gezogenem Säbel die Menge zurück drängte , und den Sammelplatz etwa 6 mal umritt . Es folgten die Sprüche der einzelnen Figuren .

Nach dem Spruch des Henkers wurde der Pfingstbutz der falsche Kopf abgeschlagen und damals in einen Sack gesteckt . Daraufhin begann der Wettritt um den begehrten Maien . Dieser wurde etwa 3-4 Büchsenschußweit vom Sammelplatz dicht an die Straße in die Erde gesteckt . Nur so tief , das er nicht umfallen aber leicht herausgezogen werden konnte . Alle Pfingstreiter stellten sich mit ihren Pferden in einer Linie auf , und jagten auf das Kommando "Marsch" im gestreckten Galopp auf den Maien zu . Wer zuerst am Maien vorbeijagte und diesen aus dem Boden reißen konnte , hatte den Maien mitsamt seinen Bändern gewonnen . Nicht selten geschah dies erst durch den dritten oder vierten Reiter.

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